Kastabos

Karische Weg - Kastabos

Das Heiligtum Kastabos war von überregionaler Bedeutung, zum einen, weil Hemithea als Heilgöttin wirkte, zum anderen, weil hier vermutlich das politische Zentrum der Chersonesier angesiedelt war. Kastabos liegt im Bergland oberhalb von Bybassos und umfaßt ein Areal von ca. 350 x 250 m. Es wird von der auf einem Hügelrücken angelegten Tempelterrasse beherrscht, die 1959 und 1960 in zwei kurzen Kampagnen von J. M. Cook – W. H. Plommer ausgegraben worden. Der ionische Marmortempel aus dem Anfang des 3. Jhs. v. Chr. ersetzte einen kleinen Vorgängerbau, von dem Kultbild und Kultbildbasis übernommen worden waren. Am Rand der Tempelterrasse standen mehrere kleine ‚Naiskoi‘. Eine erforderliche neue Bauaufnahme der Tempelterrasse konnte 2006 begonnen werden.

Die Begehung ergab darüber hinaus zahlreiche Baureste an beiden Hängen dieses Hügelrückens und in dem südwestlich daran anschließenden Tal. Dort befindet sich auch das Theater, von dem Sitzreihen, die südliche Analemmamauer sowie vom Bühnengebäude ein Stück der Rückwand und drei Proskenionpfeiler sichtbar sind, so daß eine fast vollständige Rekonstruktion möglich ist.

Die übrigen Ruinen sind meist kleine Bauten mit ein bis zwei Räumen auf einem Terrassenunterbau. Einer dieser Bauten, südwestlich des Theaters gelegen, ist deutlich größer, mit mindestens vier Räumen und könnte eine Funktion in der Heiligtumsverwaltung gehabt haben. Zwei Bauten am Nordhang waren Quellhäuser. Die Funktion der übrigen Bauten sind wegen ihres schlechten Erhaltungszustandes und erheblicher Zerstörungen durch Raubgräber nicht sicher zu bestimmen. Zu erwarten sind jedoch Bauten, die mit dem Heilkult und der politischen Funktion von Kastabos verbunden waren.

Als Kern des Heiligtums erwies sich nicht die Tempelterrasse, sondern der westlich daran anschließende Felsen. Während sich das Heiligtum von hier aus entwickelte, blieb der Fels während der ganzen Antike unberührt. Drei natürliche Felsspalten auf der Nordseite weisen möglicherweise auf Quellen hin.

Kastabos, Statuenfragment [zoom] Das Heiligtum läßt sich bis in das 7. Jh. v. Chr. zurückverfolgen. Die ältesten Teile sind der Felsen, die Tempelterrasse und der Bereich südlich unterhalb davon, wo Oberflächenkeramik archaischer und klassischer Zeit gefunden wurde. In frühhellenistischer Zeit ist eine grundlegende Erneuerung und Ausweitung des Heiligtums festzustellen, bei der die Tempelterrasse erneuert, das Theater erbaut und die zahlreichen kleinen Terrassenbauten errichtet worden sind.

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