Heerweg – Ochsenweg

Der Ochsenweg, auch Heerweg (dänisch: Hærvejen, Sakservejen oder Adelvejen; niederdeutsch: Ossenpadd), ist ein historischer Landweg auf der Kimbrischen Halbinsel von Viborg in Dänemark nach Wedel in Schleswig-Holstein.

Karte des Ochsenwegs und des Danewerks

Verlauf

Von Viborg führt die in Dänemark Heerweg genannte Trasse über Silkeborg, Vejle, Vejen und Aabenraa nach Padborg. Weiter südlich liegen viele größere Städte Schleswig-Holsteins entlang des Weges, so Flensburg, Schleswig, dort zuvor die Wikingersiedlung Haithabu und Rendsburg. In Rendsburg teilt sich der Ochsenweg in eine Ostroute über Neumünster und Bad Bramstedt und eine Westroute via Itzehoe und Elmshorn. In Uetersen treffen sich die beiden Routen wieder, um zum Ziel des Ochsenweges, dem Ochsenmarkt in Wedel zu führen.

Wegen der Konkurrenz der Hafenstädte und Elbübergänge verzweigte sich der Weg auf den letzten Kilometern jedoch. In früher Zeit war der wichtigste Elbübergang eine Fährverbindung von der Hetlinger Schanze über Lühesand nach Niedersachsen. Im Mittelalter wurde Hamburg zur wichtigsten Stadt an der Unterelbe. Am Eintritt des Ochsenweges in Hamburger Gebiet befand sich der Ochsenzoll. Da die dänischen Landesherren Schleswig-Holsteins den Handel lieber in eigene Häfen lenken wollten, hatte der Ochsenweg auch Zweige nach Glückstadt und Altona.

Auffällig ist die Wegführung bei Flensburg und bei Schleswig/Haithabu: Die Hauptroute führte jeweils westlich auf dem Geestrücken an der Stadt vorbei, und die ehemalige Route ist in Flensburg heute die Trasse einer Umgehungsstraße. Dazu gab es von Nordwesten und von Südwesten Abzweigungen in die Hafenstädte an den Förden. Vom Ochsenweg liefen weitere Überlandstraßen wie die Angelbowege ab.

Geschichte

Ochsenmarkt um 1750 (Zeitgenössische Darstellung)

Die Povls-Brücke von 1744 in Südjütland

Die Ursprünge des Ochsenweges liegen wahrscheinlich in der Bronzezeit. Der Weg verlief überwiegend auf dem trockenen Teil der beiden wichtigen Naturlandschaften der Kimbrischen Halbinsel, der Geest des Baltischen Landrückens im Osten und am Geestrand als Zugang zum Marschland im Westen. Auf langen Strecken folgte er damit der Wasserscheide. Die aus der Ostseehalbinsel Angeln nach Westen fließende Treene war in ihrem Oberlauf leicht zu kreuzen. Ein bedeutendes natürliches Hindernis stellte die Eiderniederung dar, da die Eider schon weiter östlich recht breit ist und der Ochsenweg ihren Unterlauf überqueren musste. In Dänemark verläuft der Weg in Teilbereichen noch auf der ursprünglichen Trasse, so bei Oksekær, und es existieren dort kleine Brückenbauten wie die Granitquaderbrücke Gejlå Bro von 1818.

Den gebräuchlichen deutschen Namen hat der Ochsenweg vom Viehhandel, der über diesen Weg abgewickelt wurde. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden Rinder aus Jütland und den dänischen Inseln zu den Mastgebieten in den Nordseemarschen der Westküste Schleswig-Holsteins, Ost- und Westfrieslands getrieben. Dort wurden sie bis zum Verkauf als Schlachtvieh fett geweidet.

Auf dem früher oft weichen Untergrund waren Ochsen als Zugtiere wichtig. Trotz seines dänischen Namens Heerweg war er selten Marschroute von Armeen, da es von der Antike bis ins 19. Jahrhundert nur wenige Invasionen aus Jütland beziehungsweise Schleswig nach Süden gab und nur etwa drei aus Deutschland nach Norden. Im Mittelalter diente er außerdem als Teil des Jakobsweges von Dänemark nach Nordspanien.

Das Ende als Trasse für den Viehtrieb ergab sich mit dem Eisenbahnbau bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, da Eisenbahnen auf den weitgehend den Ochsenwegtrassen folgenden Strecken diese Aufgabe übernahmen: im Osten die Altona-Kieler, Neumünster–Rendsburgsche und Rendsburg−Oster-Ohrstedt–Flensburg–Fredericia-Strecke, im Westen die Marschbahn.

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit war der Ochsenweg zudem eine wichtige Pilgerroute, die Menschen aus Nordeuropa insbesondere nach Italien führte. Er wurde so auch gegen 1500 von Erhard Etzlaub in seine berühmte Romwege-Karte aufgenommen.

Der Ochsenweg wurde Ende des 20. Jahrhunderts als völkerverbindendes Symbol zwischen Deutschen und Dänen genutzt und dient nun traditionellen Märschen und Veranstaltungen im Zusammenhang damit.

Radfernweg

Beschilderung des Ochsenweges als Radfernweg in Uetersen

Seit 1998 besteht der Ochsenweg-Radfernweg mit zwei Varianten zwischen der dänischen Grenze bei Flensburg und Wedel bei Hamburg. Da manche Abschnitte des historischen Weges heute unbefahrbar sind, andere hingegen zur Hauptstraße wurden, sind historischer und touristischer Verlauf nicht überall identisch. Der sehr ebene und daher leicht befahrbare Radweg auf dem Geestrücken Schleswig-Holsteins findet nördlich in Dänemark eine Fortsetzung als Hærvejsruten (Heerwegsroute, nationaler Radweg Nr. 3). Der Radweg ist Teil der D-Route 7, die wiederum Bestandteil der EuroVelo-Route 3 ist.

Sehenswürdigkeiten:


In der naturschönen Landschaft rund um den Rørbæk See findet man Wälder, Wiesen, Gehölze und Heide sowie Tinnet Krat und Kollemorten Krat, eines der größten Eichengehölze des Landes. Weiter südlich liegt der Margrethe-Deich, ein 150 m langer Verteidigungswall, der rechtwinklig zum Ochsenweg angelegt wurde. In der Umgebung findet man auch eine Feuerstelle mit Grillplatz, einen Put & Take See, Kanuverleih, Restaurant, Campingplatz und das Ballesbækgård Besucherzentrum mit Landschaftsausstellung.

Östlich des Ochsen-/Heerwegs entspringen mit wenigen hundert Metern Abstand in der gleichen Talstrecke zwei der größten dänischen Wasserläufe – Gudenå und Skjernå.

Die Øster Nykirke ist mit 127 m über NN die höchstgelegene Kirche in Dänemark. Sie entstand in den Jahren 1150-1200 als Wallfahrtskirche an der heiligen Quelle St. Peder, die östlich der Kirche entspringt (ein kleiner Brunnen der von einer nachgebildeten mittelalterlichen Brunneneinfassung eingerahmt wird).

Givskud Zoo steht für 5-Sterne-Safari-Erlebnisse. Erleben Sie mehr als 700 Tiere aus aller Welt hautnah mit dem Safaribus, besuchen Sie die große Gorilla-Anlage, das afrikanische Dorf, den Spielbereich und vieles andere mehr.

Der südlich von Givskud gelegene, königlich privilegierte Gasthof Harresø Kro (1609 gebaut) gilt als einer der ältesten Gasthöfe am Heerweg. Schauen Sie sich den alten Stall für die Pferde der Reisenden und den Stammtisch des Pädagogen, Philosophen und Staatsmannes Grundtvig an.

In Jelling stehen Europas bedeutendste Monumente aus der Wikingerzeit: die größten dänischen Grabhügel und zwei Runensteine mit der ältesten Inschrift, die das Land Dänemark erwähnt. Hier wurde König Gorm der Alte beigesetzt, und hier führte König Harald Blauzahn das Christentum in Dänemark ein. Die Monumente und die Jelling Kirche gehören heute zum UNESCO Weltkulturerbe. Das Besucherzentrum Kongernes Jelling vermittelt die Geschichte der interessanten Funde.

Die schöne Landschaft rund um den Fårup See bietet zahlreiche Quellen, ausgedehnte Wälder und offene Wiesen. Am Ostufer des Sees gibt es einen Campingplatz, einen Gasthof mit Zimmervermietung, Tret- und Ruderbootverleih, Kiosk, gute Angelmöglichkeiten und in den Sommermonaten sogar ein rekonstruiertes Wikingerschiff.

Die Nørup Kirche mit Barockinterieur hat einen Zwiebelturm so wie auch Schloss Engelsholm auf der anderen Seite des Engelsholm Sees. Schloss Engelsholm beherbergt heute eine Hochschule, der Park ist jedoch öffentlich zugänglich.

Die geschützte Randbøl Heide ist Dänemarks größte Binnenheide. Im Waldgebiet Frederikshåb Plantage können Sie u.a. Binnendünen und die sog. „Siebenjahresseen“ erleben. Östlich der Randbøl Heide steht der Runenstein Store Rygbjergstenen. Seine Inschrift gilt als das erste Liebesgedicht Dänemarks.

An der Randbøl Kirche führt der Ochsen-/Heerweg am Grabhügel Kong Rans Høj und an den bronzezeitlichen Grabhügeln Firhøje vorbei.

Im idyllischen Tal Randbøldal liegt das gleichnamige Randbøldal-Museum, ein historisches Aktivitätscenter, wo sich alles um Kunsthandwerk und Wasserkraft dreht. Im Tal Vejle Ådal stößt man auf die Rekonstruktion der Wikingerbrücke Ravningbro, der eine Ausstellung im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Ravning gewidmet ist.

In der ehemaligen Kiesgrube Tørskind Grusgrav verschmelzen zeitgenössische Kunst und Landschaft in der eindrucksvollen Landschaftsskulptur von Robert Jacobsen und Jean Clareboudt.

Der ehemalige Bahnhof Bindeballe zeigt eine Ausstellung über die Geschichte der Vandel-Bahnstrecke. Hier gibt es auch Küche, Bad und WC für Wanderer und Radfahrer sowie einen kleinen Zeltplatz. Der Bindeballe Købmandsgård von 1897 ist heute ein malerischer, traditioneller ländlicher Gemischtwarenladen mit Dänemarks größtem Kaufmannsmuseum.

Der Frederikshåb Mühlenpark umfasst fünf Wind- und zwei Wassermühlen, die im Maßstab 1:2 errichtet wurden. Mehrere der eindrucksvollen Mühlen können von innen besichtigt werden.

Das Grab des Egtved-Mädchens ist einer der besterhaltenen Funde aus der Bronzezeit in Dänemark. Am Fundort befindet sich heute der rekonstruierte Grabhügel und daneben ein kleines Museum, das den Fund näher beschreibt.

Literatur

  •  bikeline-Radtourenbuch Heerweg/Ochsenweg. Verlag Estebauer GmbH, Rodingersdorf 2005, ISBN 3-85000-182-2.
  •  Dieter Brumm: Der Ochsenweg. Husum 2008, ISBN 978-3-89876-385-1.
  •  Karl-Josef Schäfer: Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt/Elbe – Ein Pilgerwanderführer für die Via Jutlandica. BoD, Norderstedt Februar 2008, ISBN 978-3-8334-9129-0.
  • Ochsenweg – Auf den Spuren des historischen Ochsenweges in Schleswig-Holstein. Kompakt-Spiralo 1:50.000, BVA Bielefelder 2008, ISBN 978-3-87073-441-1

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